Rezension Weichenberger Josef

Rezension „Tore zur Unterwelt“ von Josef Weichenberger - Gegendarstellung



Der im Frühjahr 2013 in der „Zeitschrift des Historischen Vereines“ auf Seite 239 bis 265 erschienene Artikel “Kritische Anmerkungen zu den Forschungsergebnissen von Heinrich Kusch” von Josef Weichenberger entbehrt hinsichtlich seiner Ausführung und Erklärungen zu unserem Sachbildband „Tore zur Unterwelt“ jeglicher Realität. Es ist schon erstaunlich wie leichtfertig in diesem Bericht Unwahrheiten über Tatsachen ungeprüft veröffentlicht und in der Folge verbreitet worden sind. Dass Weichenberger dieses tendenziöse Pamphlet danach im Internet auf seine Web-Seite www.erdstallforschung.at stellte, dokumentiert seine persönliche egozentrische und nicht gerade unterstützende Einstellung zum Thema Erdstallforschung. Jeder der sich mit diesem Wissensbereich auseinandersetzt weiß, dass es hier kaum Erkenntnisse um die Herkunft und Nutzung dieser unterirdischen Anlagen gibt um präzis ausformulierte Aussagen tätigen zu können. Er bezeichnet seinen Text im Internet als „Rezension“ des Buches „Tore zur Unterwelt“, jedoch ist dieser Text sehr weit von einer Buchbesprechung, also einer Rezension entfernt!


Denn hier wird nicht das Buch besprochen sondern es wurden bewusst falsch interpretierte Arbeitsweisen, nicht haltbare Behauptungen und Unterstellungen als Tatsachen hingestellt und Fragmente aus Interviews, Passagen aus Zeitungsartikeln, falsch zitierte Vortragstexte, Aussagen in Filmsequenzen u.v.a.m. in seinem Text als Beweisführung veröffentlicht! Einzelne Satzteile und in unserem Buch aufgeworfene Fragestellungen wurden von ihm einfach als seine Erkenntnis dargestellt. Er hat Textteile aus unserem Buch übernommen ohne den erklärenden Begleittext davor bzw. danach zu berücksichtigen und in seiner Rezension falsch dargestellt. Mit einer übertriebenen Fußnotenquote, die seine „wissenschaftliche Arbeitsweise“ unterstreichen sollte und mit nachweisbar selektiv manipulierten Expertenmeinungen versuchte Weichenberger dem Aufsatz nach außen hin eine seriöse Note zu vermitteln. Seine überlange Rezension diente einzig und allein dem Zweck die Autoren in der Öffentlichkeit zu diskreditieren und unglaubwürdig zu machen! Es liegt sicher nicht im Sinn einer guten Buchbesprechung Personen mittels manipulierter Meinungsmache anzugreifen und es entspricht noch weniger dem Kodex einer seriösen wissenschaftlichen Arbeitsweise.


Warum wir erst jetzt nach zwei Jahren öffentlich dazu Stellung nehmen ist leicht erklärt, weil wir auf die Vernunft der Leser unserer Bücher gesetzt haben. Dennoch denken wir aufgrund diverser Vorfälle in den letzen Monaten, dass es nun an der Zeit ist diese Gegendarstellung zu veröffentlichen. Wir vermeiden Fußnoten, weil sie hier nicht angebracht sind und erwähnen auszugsweise in gekürzter Form die wahren Tatsachen. Es ist nicht notwendig hier im Einzelnen auf alle seine Vorwürfe, Unterstellungen und Ausführungen einzugehen, da diese sich tendenziös ständig wiederholen. Zum besseren Verständnis werden nachfolgend einige Passagen aus dem Rezensionstext herausgegriffen und erklärt:



Zu den Abschnitten „Angeblicher alter Plan mit unterirdischem Gangnetz“ und „Die ‚alte Kanonenkugel‘ “ :


Es beginnt bereits bei seinen ersten beiden Rezensionsabschnitten, wo Weichenberger jeweils am Ende einen Kommentar schreibt:


Die von Kusch gemachten Angaben zum „alten“ Plan stimmen mit einer fachlichen Beurteilung durch Spezialisten nicht überein. Es handelt sich um eine Skizze aus dem 20. Jahrhundert. Ein unterirdisches Gangnetz ist darauf nicht eingezeichnet.“


Das Geschoß ist mit Sicherheit keine „alte Kanonenkugel“ sondern mit großer Wahrscheinlichkeit eine Post-Granate aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.“


Beide Aussagen sind völlig aus der Luft gegriffen und entsprechen nicht den realen Gegebenheiten! Wer beide voranstehenden Kommentare liest erkennt, dass hier alles ins 20. Jahrhundert gebogen wird nur um eine mehr als fragwürdige Aussage zu bekommen! Nun stellt sich hier sofort die Frage, wie konnten die von ihm zitierten Spezialisten die Plankopie oder die Kanonenkugel aus der Ferne fachlich beurteilen und bewerten? Auch was Weichenberger im zweiten Abschnitt über das neuzeitliche Hohlbodengeschoss geschrieben hat entspricht nicht den Tatsachen! Es handelt sich hierbei um keine „Post-Granate“! Offensichtlich besitzt Weichenberger keine Kenntnis über die Funktion eines „Hohlbodengeschoßes“. Denn wenn man mit diesem eine darin steckende Nachricht abfeuern wollte, würde diese sofort verbrennen! Jeder fachlich geschulter Experte wird keinerlei bindende Beurteilungen über einen Gegenstand abgeben, egal ob Plan oder Hohlbodengeschoß, den er nie selbst gesehen und auch nicht selbst in der Hand hatte! Das lässt sich mit wissenschaftlicher Sorgfalt auf keinem Fall vereinbaren! Allerdings werden beim Weichenberger fantasievolle Gedankengänge sofort zur unwiderruflichen Realität!


Fakt ist:

Wir haben die Original-Kopie des Vorau Planes im Steiermärkischen Landesarchiv in Graz auf die Papier-Qualität hin untersuchen und in der Steiermärkischen Landesbibliothek im Auftrag des Stiftes Vorau restaurieren lassen; wussten also was wir in unseren Händen hatten und beschrieben das Objekt korrekt. Nur Weichenberger wollte dies einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Doch müsste er eigentlich genau darüber Bescheid wissen, weil wir dies bereits bei mehreren Vorträgen - wo er anwesend - war im Detail erklärt hatten. Tatsache ist, dass es sich bei dieser neuzeitlichen Vorauer Kopie eines älteren Planes um eine, nur wenigen eingeweihten Personen der Katholischen Kirche sehr wohl bekannten Kartendarstellungsform von sogenannten „Grund- und Fundamentallinien“ handelt. Diese wurde schon im Mittelalter ausschließlich im kirchlichen Bereich für die Darstellung von „unterirdischen Anlagen, Erdställen bzw. deren energetischen Verbindungen“ verwendet. Solche Pläne wurden und werden seit Jahrhunderten von der Kirche unter Verschluss aufbewahrt. Diese spezielle Information wurde uns dankenswerterweise vom ehemaligen renommierten Archivar und Chorherrn des Augustiner Chorherrenstiftes in Klosterneuburg, Herrn Univ.-Prof. DDr. Floridus-Helmut Röhrig mitgeteilt. Dies haben wir auch in unserem 2014 erschienenen neuen Sachbildband „Versiegelte Unterwelt“ mit Dokumenten belegt.


Resümee:

Alles was Weichenberger über diese beiden Abschnitte schrieb ist zur Gänze falsch! Auch der nächste von ihm abgewandelte Punkt (Lichterscheinungen) ist nicht einmal wert erwähnt zu werden, weil auch hier seine Textpassagen aus dem Zusammenhang gerissen und gezielt falsch zusammengefügt worden sind, also nicht der korrekten Wiedergabe entsprechen. Diese oberflächliche Art zu recherchieren entspricht nicht einer fachlich geschulten Vorgangsweise.


Zu den Abschnitten „Angebliche Verbindungen von Lochstein und Erdstall“ und „Zeitstellung“:


Im Kommentar zum erstgenannten Abschnitt schreibt Weichenberger nach einem konstruierten Vortext:


Gattersteine (Lochsteine) lassen sich in Österreich seit dem Mittelalter belegen. Eine ältere Zuordnung ist nicht nachgewiesen. Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Lochsteinen und Erdställen gibt es nicht.“


Eine sehr gewagte absolute Aussage das Alter von Lochsteinen betreffend, die wieder auf seine Unkenntnis hinweist!? Hier irrt sich Weichenberger gewaltig! Die Sekundärnutzung solcher Steinsetzungen im Mittelalter wurde in unserem Buch ja ausführlich beschrieben.


Fakt ist:

So wie es auch bei den Erdställen vermutlich unterschiedliche Entstehungsalter gibt, ist dies bei Lochsteinen ebenso. Einzelne Lochsteine und Menhire des Vorauer Raumes konnten bisher mittels TCN (Terrestrial Cosmogenic Nuclides)-Datierung auf ein Herstellungsalter von knapp 14.000 Jahren vor heute datiert werden. Diese Ergebnisse wurden ausführlich dokumentiert und sind im Detail ebenfalls im neuen Sachbildband „Versiegelte Unterwelt“ für Jedermann nachzulesen.


Weichenberger‘s Kommentar zur „Zeitstellung“:


In der Erdstall-Literatur von 1848-1923 findet sich die Vermutung, die Erdställe seien „uralt“. Mittlerweile ist aber die zeitliche Zuordnung der Erdställe ins Mittelalter belegt. Kusch ignoriert hier die Ergebnisse der Erdstallforschung in Österreich, Bayern und Frankreich.“


Die Ignoranz wissenschaftlicher Erkenntnisse liegt in diesem Fall in der fachlich unzureichenden Recherche von Weichenberger selbst, die vielleicht darauf zurückzuführen ist weil ihm eine „universitäre“ Ausbildung fehlt. Er klammert sich bezüglich der generellen Herstellungszeit aller Erdställe unverständlicherweise an nur sechs C14Datierungen von Holzkohlestücken, die sehr wohl den Zeitpunkt des Besuches eines Menschen oder Tieres (durch Einbringung von der Oberfläche) in einem Erdstall dokumentieren können, aber nicht mehr! Kein seriöser Wissenschaftler würde allein davon ein Entstehungsalter sondern nur ein Mindestalter ableiten, zumal diese mehr als geringfügige Anzahl von Datierungen wohl keine Grundlage für tausende unterirdische Anlagen in Europa darstellen können! Archäologische Funde sind ebenfalls nur ein Nachweis auf einen zeitgebundenen Kontakt durch den Menschen, in welcher Nutzungsform dieser auch immer stattfand. Aber auch hier können solche Bruchstücke beispielsweise durch Tiere in die Räume eingebracht oder auch durch natürliche Einschwemmungen verfrachtet worden sein. Der ursprüngliche Errichtungszeitpunkt bzw. der Bau von solchen Anlagen kann davon nicht abgeleitet werden!


Fakt ist:

Dass wir heute über Richtwerte für ein Mindestalter von fünf aus Trockenmauern gebauten megalithischen unterirdischen Anlagen in der Steiermark verfügen, die im prähistorischen Zeitraum errichtet worden sind! Diese konnten von international renommierten Wissenschaftlern der Karl-Franzens-Universität in Graz und der Purdue-Universität (USA) mittels TCN-Methode auf ein vorläufiges Alter von über 10.000 Jahren vor heute datiert werden. Entsprechende Publikationen sind derzeit in Vorbereitung und weitere Datierungen werden gerade durchgeführt um den Status der Auswertungen wissenschaftlich zu festigen. Unter diesen datierten Objekten befinden sich auch durch Steineinbauten sekundär veränderte Erdställe. Nach neuersten Erkenntnissen ist der vermutliche Herstellungszeitraum dieser Anlagen durch die derzeit vorliegenden Richtwerte einer noch früheren Epoche des prähistorischen Zeitraumes zuzuordnen. Ebenfalls im Detail nachzulesen im neuen Sachbildband „Versiegelte Unterwelt“.


Zu den Abschnitten „Die Frage nach dem wahren Kern einer Sage“ und „Kilometerlange Gänge“


Weichenberger Kommentar:


Kusch nimmt jeden Teil der Sage, der von den unterirdischen Gängen und Kammern erzählt, für bare Münze. Das unterirdische Gangsystem unter dem Stift Vorau wurde lediglich „gemutet“ es existiert aber in der Realität nicht.“


Fakt ist:

Nun was die Sagen angeht, so sollte sich Weichenberger auch hier neue Denkanstöße holen. Bei 99 Prozent der von uns untersuchten Sagen und Hausgeschichten gab es tatsächlich unterirdische Anlagen. Der Realitätsbezug einzelner Informationen in solchen Erzählungen ist definitiv vorhanden, dies abzustreiten wäre ignorant. Viele dieser Orte waren für uns nicht mehr zugänglich und das haben wir im Buch auch erwähnt, aber es gibt Zeitzeugen die sie gesehen und auch Fotos in den Gängen aufgenommen haben.


Bezugnehmend auf Stift Vorau verläuft beispielsweise ein heute noch begehbarer über 70 m langer Gang im Felsgestein unterhalb des Wassergrabens. Weichenberger „vergaß“ auch zu erwähnen, dass wir mehrmals „Bodenradarmessungen“ im Stift veranlasst haben, die zu „positiven Ergebnissen“ in Bezug auf die Ortung von unterirdischen Gängen führten. Dies wurde ebenfalls in seiner Gegenwart bei Vorträgen im Detail erklärt und ist auch im Sachbildband „Versiegelte Unterwelt“ gut dokumentiert. Außerdem gibt es ein Buch (Handschrift) über die unterirdischen Anlagen unter dem Stift, dem wir schon seit Jahren auf der Spur sind, das aber - aus welchen Gründen auch immer - bis jetzt nicht auffindbar ist. Dieses Dokument war einst in der mittlerweile aufgelösten Propstbibliothek gelagert und Propst Gilbert Prenner (Amtszeit 1953 bis 1970) zeigte es einem Zeitzeugen, der uns dieses Buch beschrieb. Mündlich bestätigt wurde uns im November 2014 von der Stiftsleitung und Monate davor von Herrn Univ.-Prof. DDr. Floridus-Helmut Röhrig ein begehbarer Ganghorizont unter dem Stift, der gegenwärtig nicht zugänglich ist. Im Jahre 1968 wurden in der Stiftskirche die Zugänge zum ersten Ganghorizont im Rahmen der Wiederaufbauarbeiten zugemauert. Auch beim Umbau der Hl. Kreuzkirche wurde vor kurzer Zeit ein unterirdischer Gang angefahren, von Arbeitern untersucht, aber danach sofort wieder verschlossen.


Gleichfalls hat Weichenberger alles ausgelassen was wir in unserem Buch über die Zugänge zu den Gang- und Erdstallfragmenten, die wir durch die Planskizze wiederentdeckten, geschrieben haben. Diese Zugänge sind im alten Buch „Tore zur Unterwelt“ mit Fotos dokumentiert! Er weiß dies alles, aber verschweigt es in seiner Rezension nur um seine eigenen negativen Behauptungen glaubhaft hervorzuheben. Dies hat mit konstruktiver Kritik nicht das Geringste zu tun, so etwas nennt man Manipulation!


Die in seiner Kritik nachfolgenden überlangen Abschnitte sind ganz einfach tendenziös und deshalb gehen wir nicht mehr im Detail darauf ein. Er wiederholt sich in seinen Ausformulierungen ständig. Die Grundlagen seiner Feststellungen in den opulenten Kommentaren stimmen einfach nicht! Weichenberger scheint es mit den Tatsachen und Auslegungen von Themen nicht so genau zu nehmen wie er es im Text für die Öffentlichkeit erscheinen lassen möchte. Es fehlt ihm ganz einfach das Wissen über den Umfang unserer Forschungsergebnisse und die steirischen unter- bzw. oberirdischen Objekte.


Resümee:

Bei genauerer Betrachtung könnte man aus Weichenbergers Texten herauslesen, dass er sich selbst und seine Arbeitsweise in dieser Rezension aufzeigt und nicht unsere! Es wäre ihm anzuraten in Zukunft darauf zu achten, dass er auch als privater Erdstallforscher der Wahrheit verpflichtet ist. Wir haben in dieser Richtigstellung absichtlich, wie schon eingangs erwähnt, auf Fußnoten verzichtet, weil sie unserer Meinung nach bei dieser Gegendarstellung unangebracht sind. Solche dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Grundlagenforschung und sind generell kein Instrument für öffentliche persönliche Angriffe und Unterstellungen gegen Personen wie sie Weichenberger praktiziert hat. Diese Vorgehensweise sollte einzig und allein darauf abzielen meine Frau Ingrid und meine Person in der Öffentlichkeit zu schädigen. Gleichzeitig werden hiermit aber auch viele Kollegen der Fachwelt, darunter viele engagierte Erdstallforscher bzw. Erdstallforscherinnen und international renommierte Wissenschaftler vieler Universitäten sowie Studenten, die jahrelang an der Klärung von offenen Fragen in diesem großen Forschungsprojekt mitarbeiten, diffamiert! Gerade bei wissenschaftlichen Neuentdeckungen und in der Forschung haben solche Animositäten generell nichts verloren.


 


Mag. Dr. Heinrich und Ingrid Kusch

SUB TERRA VORAU

Das Geheimnis
der unterirdischen Gänge
aus uralter Zeit

 

 

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