Menhire und Lochsteine

 

Wohl einzigartig im österreichischen Raum ist das Vorkommen von derzeit über 550 dokumentierten Menhiren – prähistorischen Langsteinen – in Vorau und in den Nachbargemeinden. Ein Ende der Aufnahme dieser prähistorischen Bodendenkmale durch Dr. Heinrich und Ingrid Kusch (Graz) und ihren Mitarbeitern ist noch nicht abzusehen, weil die Anzahl, der heute noch in der Oststeiermark vorhandenen alten Steinsetzungen derzeit auf rund 500 Stück geschätzt werden kann. Der größte derzeit bekannte Menhir in der Umgebung von Vorau ist über 7,6 m lang und wiegt etwa 50 Tonnen. Bedauerlicherweise wurden von der Nachkriegszeit bis heute mehrere hundert Lochsteine und Menhire von den Grundbesitzern entfernt, weil sie bei der Arbeit mit den landwirtschaftlichen Maschinen einfach im Wege standen. Nur in jenen Fällen wo man die Menhire als Grenzsteine oder als Gatter- bzw. Torsteine für Wegabsperrungen bis in die Neuzeit nutzte, blieben sie von der Zerstörung durch den Menschen verschont und somit bis in die heutige Zeit der Nachwelt erhalten. Wir können heute davon ausgehen, dass einst in der Oststeiermark weit über 1000, vielleicht auch mehrere tausend solcher megalithischen Steindenkmale standen. Auch in der Weststeiermark kennen wir heute Menhire und Lochsteine jedoch in geringerer Anzahl.

 

 

 

 

Was sind nun Menhire? Es sind massive behauene oder teils roh belassene Steine, die in der Vergangenheit zu einem Drittel oder zur Hälfte im Boden eingegraben worden sind und aufrecht in der Landschaft stehen bzw. einst standen. Das Wort „Menhir“ stammt von den bretonischen Begriffen „men“ (= Stein) und „hir“ (= lang) ab und bedeutet „Langer Stein“. Menhire zählen heute zur Gruppe der „Megalithen“ (= Großsteine) und werden in Europa dem prähistorischen Zeitraum (rund 3500 bis 7000 Jahre vor heute) zugeordnet. Bei einer im Jahr 2013 erfolgten TCN-Altersdatierung eines Lochsteines stellte sich heraus, dass dieser vor rund 14.000 Jahren durch den Menschen aus dem Fels geschlagen und bearbeitet worden ist.

 

 

 

Im Mittelalter wurden hunderte dieser Steine zerschlagen, umgelegt und vergraben, weil die Bevölkerung immer noch ihre „heidnischen“ Bräuche (Opferungen) an den Steinen vollführte. Man errichtete an den Stellen wo die Menhire standen vorerst Holzkreuze, später ab dem 18. Jahrhundert wurde dann diese in einigen Fällen durch eine Kapelle oder ein Marterl ersetzt. Die neu errichteten Kreuze, Kapellen und Marterl zählen hier nicht dazu. Welche Bedeutung hatten diese Steine, die scheinbar funktionslos in der Landschaft, auf Wiesen, Äckern, vor alten Gehöften, neben Feld- und Hohlwegen oder in Wäldern, herumstehen? Vom Mittelalter bis in die Neuzeit standen sie der Bevölkerung, um nur einige Verwendungsarten zu nennen, wie schon oben erwähnt, überwiegend als Grenz-, Richt-, Tor- oder Gattersteine in Verwendung.

 

 

Es gibt viele lokale Bezeichnungen für die Menhire und Lochsteine, darunter auch eine die der eigentlichen Funktion der Steinsetzungen in diesem Raum sehr nahe kommt. Und zwar handelt es sich um den in der Bevölkerung noch bekannten alten Begriff des „Torhüters“, der den „Zugang von der Oberwelt in die Unterwelt“ zu bewachen hatte. Dies trifft auf die Lochsteine in und um Vorau zu, denn die wenigen noch „in situ“ stehenden Steine zeigen möglicherweise den Verlauf der unterirdischen Anlagen durch die Lochbohrungen an. Auch die ältere Generation berichtet heute noch über diese Funktion, denn sie wusste immer schon, dass unter manchen alten Kapellen und Holzkreuzen, die an jenen Stellen stehen wo einst Menhire und Lochsteine standen, unterirdische Gänge verlaufen sollen.

 

 

 

(Text und Fotos: Mag. Dr. Heinrich und Ingrid Kusch ©)

 

 

 

 

SUB TERRA VORAU

Das Geheimnis
der unterirdischen Gänge
aus uralter Zeit

 

 

Besucher

Besucherzaehler