Unterirdische Anlagen

 

 

 

 

 

In den letzten Jahren hat sich durch die intensive Forschungsarbeit von Dr. Heinrich und Ingrid Kusch aus Graz und ihrem Forscherteam bzw. den Mitarbeitern von „Sub Terra Vorau“ der Gebietsabschnitt um Hartberg und Vorau als Zentrum für alte, künstlich geschaffene unterirdische Anlagen in der Steiermark herauskristallisiert. Immerhin konnten in diesem Zeitraum über 792 Felsgänge, Erdställe und unterirdische Steinanlagen (Forschungsstand 2015) aus unterschiedlichen Zeitepochen wiederentdeckt werden, wobei ein Ende der Auffindung von neuen Anlagen noch nicht abzusehen ist.

 

 

 

Bedauerlicherweise sind die meisten Objekte durch die Einflüsse der Natur (Oberflächenerosion) unzugänglich, d. h. die Eingänge wurden mit eingeschwemmten Sedimenten verfüllt oder durch den Menschen selbst absichtlich zugeschüttet. Bereits in der Neuzeit, im 16. Jahrhundert, verschloss man auf Anweisung der Kirche sehr viele Zugänge zu diesen Anlagen mit Tonnen an Gestein und Erdreich.

 

 

Der einheimischen Bevölkerung waren diese Gänge seit Jahrhunderten bekannt. In Kriegszeiten wurden in ihnen kurzfristig nicht nur Menschen, sondern auch Lebensmittel und Wertsachen versteckt. Ab dem Mittelalter nutzte man sie auch in einigen Fällen als Mülldepots, weil man keine weitere Verwendung mehr für die Anlagen hatte. Dies ist bei der älteren Generation vielerorts auch noch gut bekannt. Der eigentliche ursprüngliche Zweck für die Errichtung der Felsgänge ist uns heute unbekannt, denn als längerfristige Zufluchtsorte und Kultplätze waren sie nicht geeignet. Nur bei 26 Stollen handelt es sich um mittelalterliche und neuzeitliche Bergwerke, die restlichen bekannten Felsgänge werfen derzeit mehr Fragen auf, als Antworten dafür vorhanden sind.

 

 

 

Das Mindestalter dieser unterirdischen Anlagen kann derzeit mit über 10.400 Jahren angegeben werden. Einige Felsgänge stammen aus dem Mittelalter und der Neuzeit oder wurden in diesen Epochen erweitert, d. h. in den ursprünglich bis 1,6 m hohen und oft nur 0,7 – 0,8 m breiten Gängen hat man die Wand- und Deckenteile herausgeschlagen und manchmal auch den Boden tiefer gelegt um aufrecht darin gehen zu können. Die aus Trockenmauern (Steinen) errichteten Schutzräume unterirdischer Bergsiedlungen, Zugänge und Schächte (derzeit über 300 Stück) stammen größtenteils aus der megalithischen Epoche Europas. Hier hat man die bereits im verwitterten Gestein befindlichen, oberflächennahen Gangpassagen durch niedere und schmale aufgemauerte Steingänge ersetzt um die alten Anlagen wieder verwenden zu können. Die architektonische Bauweise dieser Gänge, wie Tragsteine, Kraggewölbe und bis zu einer Tonne schwere Überlagplatten, die unter Feldern bzw. Wiesen verlaufen und in Berghänge hineinführen, können von ihrer Ausführung her bei vielen Objekten eindeutig dem prähistorischen Zeitraum zugeordnet werden. Durch eine TCN-Datierung die von der Karl-Franzens-Universität Graz und der Purdue Universität (USA) durchgeführt worden ist konnte bei einigen dieser Gänge ein Alter von über 10.400 bis 10.900 Jahren ermittelt werden. Die anschließenden Felsgänge und auch davon betroffene „Erdställe“ sind auf alle Fälle älter als diese künstlich geschaffenen und aus Steinen errichteten unterirdischen Anlagen.

 

 

(Text und Fotos:  Mag. Dr. Heinrich und Ingrid Kusch ©)


 

SUB TERRA VORAU

Das Geheimnis
der unterirdischen Gänge
aus uralter Zeit

 

 

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